08/03/2013 14:04:33

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Wir trieben uns viele Monate in der Karibik rum, zwischen Hallifax und Port of Spain / Trinidad - einschließlich der Bauxidfahrten für die Alcoa - Steamship Corporation, die uns oft nach New Orleans brachten. Die Bauxidfahrten bedürfen aber einer gesonderten Betrachtung.

Wir hatten eine Fahrt tief ins innere des Landes Venezuela vor uns. Es war ein  sehr kleiner Fluss mit vielen Untiefen. Zu einer bestimmten Stunde musste wir an bestimmten Flussmarken eintreffen, nur dann war genügend Wasser unter dem Schiffsboden. Die Kühlwassereintrittsöffnungen für die Kühlung unserer Diesel - Antriebe lagen zu tief. Es bestand Gefahr, dass Sand und Schmutz oder vielleicht auch Jungkrokodile mit angesogen wurden. Aus diesem Grunde öffneten wir die oberen Seewasser - Einläufe, die man auf hoher See nie benutzte. Bei der oberen Einstellung besteht Gefahr, dass auf hoher See bei schwerem Wetter die Seewasserpumpen bei Krängung ( Schaukeln ) des Schiffes  Luft schnappen.
 
Die Fahrt, etwa 1,5 Tage den Fluss bergauf, war höchst interessant. Wir beobachteten viele kleine Dörfer. Hier wurde sowas wie Schule abgehalten, wobei einige Kinder auf den Bäumen saßen und wohl an Bananen knabberten. Auch große Badevergnügen der Bewohner konnten wir beobachten, so viele Nackedeis auf einem Haufen hatte ich vorher noch nie gesehen.
Sie hielten sich aber in respektvoller Entfernung von uns – solch Riesenschiff hatten sie wohl noch nicht gesehen.
 
Inzwischen waren wir ungewöhnlich hohen Außentemperaturen – sozusagen stockenden Tropenlüften ausgesetzt. Von Fahrtwind keine Spur.

Krokodile konnten wir aber nicht beobachten oder sie waren zur Zeit nicht hungrig.

Ich bin während der Liegezeit  ( wir hatten praktisch an einem Holzponton festgemacht, der war halb so  lang wie unser Schiff ) vorsichtshalber nicht ins Wasser gesprungen, obwohl ich einer der wenigen Besatzungsmitglieder war, die bei jeder passenden Gelegenheit ( z.B. Ankerliegezeiten ) dauernd außenbords hüpften – aber natürlich nicht während der Fahrt. Die Köche wurden dann von mir beauftragt ( sie waren auch früh auf den Beinen ),  während meiner Badezeit Ausschau nach Haien zu halten.
Den Namen des Flusses kann ich leider nicht mehr nennen und hab ihn auch jetzt nicht im Internet gefunden. Vielleicht war es ja auch nicht Venezuela sondern eines der Nachbarländer. Kann ich nicht mehr ausklamüsern.
 
Ich hatte eine ziemlich schlimme Handverletzung und sollte unbedingt zum Arzt. Früher hatte ich schon Berührung mit 
“ Zahn – Ärzten “ aus diesen Gegenden und musste erst überzeugt werden hier einen “ Arzt “ aufzusuchen. Zahnärzte zogen nämlich sofort  " den kranken Zahn " – leider vertaten sie sich oftmals, welches nun wohl der kranke Zahn sei. Wat is, wenn der mir den falschen Finger oder die falsche Hand abnimmt ?
Naja, der Schiffsmakler – wie er sich nannte – kam und nahm mich mit. Hoffentlich bringt der mich auch wieder an Bord, dachte ich. Etwa ‘ne halbe Stunde waghalsiger Fußmarsch bis zum Dorf. Das halbe Dorf war zusammen gelaufen und wollte mich anschauen. Mein “ Landgang “ hatte sich wohl schon rumgesprochen.
 
unten rechts die Krankenschwester :
 
krankenschw
 
Ich erhielt vom Schiffshändler ein Foto – scheinbar bekamen alle erkrankten Seeleute sowas als Beruhigungsmittel. So in etwa wurde ich da auf dem Dorfplatz empfangen. Die Leute versuchten mich aber nicht anzutatschen – im Gegensatz zu China, da wurden wir  1954  ständig befummelt. Aber nicht nur von schicken Deerns, nein, die Chinesen wollten mit uns Langnasen auf Tuchfühlung. Das war hier zum Glück aber nicht der Fall.
Der Arzt kommt erst nächste Woche, verklarte man mir. Da wollten wir aber schon in Halifax sein. Eine Krankenschwester machte ein sehr bedenkliches Gesicht, gab mir ein Getränk und verband meine Hand mit einer ziemlich greulichen Masse Matsch.
 
Scheinbar wurden hier an unserem Anleger nur einige Kisten entladen und dann ging es am nächsten Tag wieder flussabwärts. Als wir die offene See wieder unter uns verspürten, die Seewassereinläufe das Kühlwasser wieder aus den Tiefen der See holte, der frische Seewind uns und unser Schiff kühlte, atmete die ganze Besatzung auf und das Holsten - Bier aus Dosen ( mit dem Tiger ) schmeckte wieder wie verrückt.
Und meine Hand naja, es wurde nicht schlimmer.
 
Gleich bei Einlaufen Halifax, ich wieder zum Arzt. Ich zeigte ihm auch  noch mein lediertes Knie. Der Arzt – etwa in meinem Alter - sprach besser deutsch als ich und war ein äußerst sympathischer Zeitgenosse. Er hatte in Tübingen studiert.
Er fragte mich, wie lange ich mich hier schon in dieser Gegend rumtreibe –  viel zu lange - antwortete ich – ich hab in Oldenburg 'ne Freundin und die will geheiratet werden.

Nach Beendigung unseres wirklich langen Gespräches – er konnte nicht genug von Hamburg hören -  fragte er mich :
“ Seemann, willste nach Haus ? “ Aber klaro Doktor, ich bin schon monatelang überfällig. Ich bekam wirklich  das große Zittern.
An Bord großes Theater ! Wat  nu, woher einen Ablöser bekommen. Unser Schiff erforderte das “ Große Seepatent “.
Ohne solch einen Patentinhaber kamen Schiffe sofort an die Kette. Ich fuhr also noch von Hallifax bis New York weiter mit und  da sollte mein Ablöser an der Pier stehen.

Hier meine Wohnung / Kammer : Beide Seiten waren gleich. Bb wohnte der Ltd. Ing und Stb der 2. Ing. - ich lag schon in beiden Kojen. Das ganze Deck gehörte uns beiden. Sonntags fand hier der Frühschoppen statt - manche Jungs sagten dazu " Sonntagsandacht auf dem Palaverdeck ". Klingel zum Steward hatten beide Kammern.
Auf der Reise von Hallifax bis nach New York war das ganze Deck in  eine einzige Abschieds - Partylandschaft für mich umgestaltet worden. Ich gehörte hier schließlich zum Inventar, war in sämtlichen  techn. Jobs zu verschiedenen Zeiten auf diesem Schiff gemustert und immer zufrieden damit unterwegs gewesen.
Die ganze Welt hab ich mit dem Schiff in beiden Richtungen mehrfach umrundet. Der Suez, der Panama und besonders der Kiel - Kanal gehörten zu unserem Revier - nur Australien, da wollten sie mich nicht. Auf diesem Schiff kannte ich jede Schraube und jeden Nietenkopf. Hier habe ich auch mein größtes handwerkliches Meisterstück vollbracht ( siehe :  http://www.kolb-rosengarten.de/handwerker.html Und Zaubern hab ich hier auch gelernt - ich hab mit weniger Ölverbrauch eine höhere Schiffsgeschwindigkeit erreicht als vorher - glaubt mir kein Mensch, deshalb erzähle ich es nur auf Nachfrage.
 
Stewardessen zum Abschiedstanz hatten wir damals leider noch nicht an Bord. Ehefrauen - mit Trauring - durfte die Schiffsleitung schon mal mitnehmen - aber 'ne Frau, die hatte ich ja auch nicht. Ne Verlobte oder Freundin - das mochte man wohl einfach nicht erfragen - außerdem war sie ja berufstätig und ob der spätere Schwiegervater - ein Schulrektor aus Oldenburg - mit dem Kopf genickt hätte, das glaub ich heute noch nicht.

Hier sieht man am Schornstein das  Schornstein - und Flaggenzeichen meiner Hamburger Trampreederei
Robert Bornhofen -  viele Jahre gehörte ich dazu. Später ging die Reederei mit über in die heutige Reederei
Peter Döhle - Hamburg.

Kammer

Heute hängt mein Schiff, die Falkenstein, in unserer guten Stube :

modell 


Der Abgang in in NY war dann aber kurz und schmerzlos wie immer, mein Ablöser stand an der Pier,

 " Männer, gute Reise "  !!!!

 und das war 's dann aber auch schon.


Die Tübingen der Hapag fuhr mit mir ( ich wurde als “ Notleidender Seemann “ gemustert - das ist noch eine andere Geschichte ) nach Antwerpen und der Seemannsexpress Hock van Holland – Kopenhagen nahm mich mit nach Hamburg.
 
Die Tübingen von Hapag :
 
( Die Reise zuvor war ein Onkel von mir hier Kaptain  - ist das nicht ein schönes Schiff   ? – Einfach herrlich !  Seefahrt der Extraklasse  ! )
 
tuebin1
 
Heiraten war aber noch nicht. Ich glaub, zu viele Stimmen hatten meine Auserwählte gewarnt.  Seeleute verprügeln ihre Frauen immer und al so’n Quatsch. Also nochmal einige Wochen auf der Amazonas von Detjen abgerudert und dann von Marsaille per LKW nach Haus – Bahn und Fluglinien streikten und um ein Haar wäre ich nicht zu meiner eigenen Hochzeit erschienen.
 
Die Amazonas von Detjen :
 
amazom
 
Damit endete eine langjährige Seefahrtszeit, die nächsten 32 Jahre war ich weltweit per
Bahn, PKW und Flugzeug unterwegs. Und nu sitz ich auf dem Sofa und warte auf den nächsten Tatort.
 
Man inne Tünn, wie wär dat scheun !

 Hier sehen Sie noch einige Seefahrer - Impressionen imag


Inhalthome

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Entschuldigung, hier noch ein kleiner Nachtrag :

Wie sonst kein Mensch auf der Welt, erlebt der Seemann immer wieder seltsame Zusammentreffen mit Menschen - ich sag mal - aus dem früheren Leben. Ich kam in Osaka aus einer Nachtbar und musste dringend an Bord. Bording - Time drohte, wir wollten auslaufen, aber die Damen im Kimono waren einfach zu interessant. Als ich auf die Straße trat, kam auf der gegenüberliegenden Seite der Straße ein Mann mir entgegen und sagte : Hans Kolb, wat machst du denn hier ?

Jetzt bekam ich eine Mail von einem ehem. Seefahrer, er war Koch und mit mir auf dem gleichen Schiff  E.S. Falkenstein.
Es war Wolfgang Mett, unser Smutje.  Wolfgang hat auch die folgenden Fotos beigestellt. Er lebt jetzt in Kanada. Ich kann mich nicht mehr an ihn erinnern, aber unsere Seefahrtsbücher zeigen eiserne Tatsachen. Wolfgang sendete mir einige Fotos von unseren gemeinsamen Reisen durch die Tschungelgebiete in Surinam. Ich weiß nicht, ob wir auch zusammen in Fern- Ost waren.

Hier hab ich mit Hilfe von Wolfgang mal versucht  nachzuvollziehen wo wir in etwa gewesen sein müssen.
Die rote Filzstift - Spur muss in etwa der Verlauf des Flusses in Surinam , der " Suriname-River", sein. Und ick Döskoop hev jümmers glövt, wi weern in Venezuela.

Links oben sozusagen unser Heimathafen Port of Spain / Trinidad, da waren wir alle naselang und fuhren von dort unter Anlaufen vieler Inseln wie Cuba / Jamaika u.s.w. rauf bis nach Halifax - von wo der Onkel Doktor mich nach Hamburg schickte.
In Trinidat kannte ich einen holländischen Werftingenieur, der für uns kleinere Reparaturen ausführte. Ich war oft bei ihm zu Gast, er hatte eine wunderschöne Partnerin. Aber das ist eine andere Geschichte.

Suriname - River

Hier kann man die schwüle Tropenluft erahnen :

tropenluft

Und hier sieht man einige typische Bilder, die wir Bb und Stb. zu bestaunen hatten. Hier war wohl jüst Schwimmunterricht angesagt. Manchmal sah man ganze Gruppen von Kindern, die gesittet ihrer Lehrerin zuhörten. Nur als wir aufkreuzten, lief alles auseinander - einfach herrlich :

schwimmunterricht

Hier wurden aus den Luken Ladungsteile z.B. Kisten und Säcke auf Lanschen  ( Beiboote ) gehievt.
Kaianlagen oder ähnliche Einrichtungen gab es hier nicht :

Anlandung

In jeder Hafenstadt der Welt gibt es Kneipen / Bars mit mehr oder weniger wilden Damen.
Hier unsere Crew, Wolfgang ist der knackige Junge, der im Vordergrund gerade trinkt. Diese Bilder hat
Wolfgang mir  etwa 2013 gesendet.

karibik-Kneipe 

Ich erinnere mich an keinen dieser Männer - es liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück.
So sahen die typischen Bars in der Karibik aus, nicht weit weg vom Schiff. Manchmal hatten wir ja nur Stunden Zeit für einen Barbesuch und dann ging es weiter.
Es waren meist größere Schank-Räume und es fehlen hier allerdings die Musikbox und die vielen, hübschen, braunen Deerns.
Landgangsanzug war immer der gleiche look :  " Staude mit Jeans " war Satz.

Oft waren diese Schiffs - Mannschaften eingeschworene Seilschaften. Sie konnten hart arbeiten, aber wenn man sie dann los gelassen hat, waren sie nicht zu bremsen. Von meiner Maschinengang wurde ich häufiger  zum Landgang eingeladen. Sollte auch nix bezahlen. Ich bin nicht immer aber doch ab und an mitgegangen. Es hat einfach Spaß gemacht mit solch einem Haufen wirklich hart gesottener Seeleute sich den Bauch voll Bier zu gießen. Mein Geldbeutel war anschließend aber doch gelenzt. Der Vorteil war, wenn Mann bzw. Schiff in Not war, konnte ich mich auf meine schwarze Gang - so nannten die Decksleute  uns  Maschinenleute  - verlassen. Es kam vor, dass wir bei Maschinenschaden an die 40 - 50  Stunden und mehr voll Power arbeiten mussten. Ohne Murren wurde alles best erledigt. Voraussetzung war natürlich, dass Wolfgang zwischendurch für uns extrafeine Schnittchen mit allen Schikanen zubereitete. Bier gab es aber erst dann, wenn die Maschine wieder ihren gesunden Ton abgab.     

Soweit also meine kleine Ergänzung !