Schleuse Kiel Holtenau
...................und da kommt
plötzlich ein Foto auf meinen Bildschirm. Man solle erraten, was
hier wohl abgebildet ist. Für einen alten Fahrensmann ist das
natürlich kein Problem. Es ist die Schleuse Kiel - Holtenau. Hier
( oder in Brunsbüttel ) hat Helga Feddersen doch die Leiterin
eines Seemansfrauenheimes gespielt. Leider ist sie schon längst
verstorben, aber auf meiner Seite " Impressionen " spielt
sie noch mit. Und
dabei fallen mir gleich einige Geschichten ein. Zwei davon möchte
ich hier erzählen :
Meine
Frau sagt immer, überlege
genau,
wie du die Geschichte beim vorigen Mal erzählt hast. Mit
zunehmenden Alter kommt man ja leicht durcheinander.
Geschichte
Nr.1 : Einlaufen Schleuse
Kiel Holtenau Richtung Elbe
Ich
war an Bord eines
mittelgroßen
Trampschiffes als 3 .Ing tätig. Das ist der, der nix zu sagen
hat aber immer so tut, als sei er sehr wichtig. Ich hatte damals noch
nicht das große Ingenieurs - Patent zum Betreiben von
Seeschiffen aller Größen auf allen Weltmeeren sondern nur
eins mit eingeschränkten Möglichkeiten ( für Landratten:
Patent = Führerschein, ich sag mal den PKW - Führerschein ).
Ich
war in der Maschine der junge
wachhabende Ing. und zur Unterstützung hatte ich einen sogenannten
Ing. Assi. Der musste immer mit der Ölkanne durch die Gegend
flitzen und ebenfalls interessiert auf die Instrumente kieken.
Einlaufen
in die Schleuse ( ohne
Schlepper
). Unten im Maschinenraum dauern solche Prozeduren ewig. Die
Zeit wird dann lang und länger.
Kiek
mol ropp, op wie all dor sünd
!
Assi flitze die Treppen hoch und meinte dann, dass es nicht mehr lange
dauern könne.
Plötzlich
klingelte der
Maschinentelegraf : 3 Mal AK zurück, das heißt:
äußerste Gefahr ! Alles was die Maschine hergibt an Leistung
mit voller Pulle rückwärts ohne Rücksicht auf
Verluste ! Die da oben haben wohl wieder gepennt.
Sowas
geschah in meiner
langjährigen
Seemanslaufbahn höchstens 3
Mal.
Ok
Junge, sagte ich mir, bleib ruhig.
Ich
steuerte die Maschine um wie tausendmal probiert auf
rückwärts, dann Start ( bei unserem PC ist es die
Eingabetaste ) und dann machte die Maschine " zisch " und das
war's auch schon. Vor meinen Augen sah ich das große
Schleusentor.
Totenstille
im Salon, nur die
Hilfsdiesel
für die Stromerzeugung tuckerten ihren stereotypen Rhythmus. Ich
mochte diesen Klang, aber jetzt nervte er mich gewaltig. Das ganze
nochmal von vorn, der Telegraf ratterte wieder 3 x AK zurück und
wieder
nur
" zisch ". Das Telefon klingelte,
auf
der Brücke ( etliche Etagen höher ) wollte man wohl
wissen, ob wir den Telegrafen nicht hören können - oder sowas
ähnliches.
Ich
dachte, so muss es sein, wenn man
gleich ohnmächtig wird. Ich war so allein wie der Mann mit
dem großen Hut in dem Film " Spiel mir das Lied vom Tod ".
Noch
ein - oder zweimal der
Telegraf und dann ein entsetzlicher Ruck. Ich flog gegen die
Schalttafel, das Schiff schaukelte ein wenig und dann war
Friedhofsruhe. Nur die Hilfsdiesel ........... und mein Ing. Assi
flitzte die Treppen hoch und war verschwunden.
Plötzlich
war die ganze
Maschinenbesatzung mit und ohne Kolbenringe ( Kolbenringe sind die
Ärmelstreifen, die die Seeoffiziere immer an den Uniformen
tragen - 4 trägt der Kaptain und 3,5 der Chiefingenieur ) im
Maschinenraum.
Wat
is los ?? alles schrie wild
durcheinander, ich konnte nur mit den Schultern zucken.
Es
stellte sich später raus, wir
haben
das Schleusentor gerammt. Es war stark beschädigt, aber es
funktionierte noch leidlich. Zum Glück waren wir etwas kleiner als
die QM 2.
Morgendämmerung - Fahrt durch
den Nord Ostseekanal

Geschichte Nr. : 2 Auslaufen
Schleuse
Kiel
Holtenau Richtung Ostsee - Kadetrinne
Hier war ich Ing. Assi, der
mit der
Ölkanne, auf dem mittelgroßen Trampdampfer Luise
Bornhofen. Das ist das Schiff, was Mary Lou so schön zum Schaukeln
gebracht hat. - Mary Lou ? Ja, das ist eine andere Geschichte. -
Ich hatte mich mit dem Hund vom Kaptain angefreundet. Es war ein
Jagdhund. Bernhard hieß er ( Kaptain hieß auch
Bernhard ). Er schlief immer bei mir in der Kammer und wenn ich
auf Wache ( allerdings nur im Hafen ) zog, kam er mit auf Wache.
Ich nahm Bernhard auf den Arm und auf ging es in die finsteren
Tiefen der Maschinenschächte. Jagdhunde
können ja keine ölverschmierten Treppen steigen. Mit der Zeit
gewöhnte er sich an den Lärm der Hilfsdiesel genau wie
wir Menschen. Er schlummerte unter meinem
Schreibtisch. Früher waren Hunde auch noch unempfindlicher
als heute.
Also, wir lagen in der
Schleuse fest
und
plötzlich bemerkte ich, wie die Decksbesatzung wie wild durch die
Gegend sauste. Einschließlich Koch, Bäcker, Funker waren die
Jungs auf dem Schiff und an der Pier wieselig wie die Hasen unterwegs.
Wat is los ? wollt ich
wissen. Bernhard
ist weg, er wurde zuletzt vom Funker gesehen, als er auf dem
Schleusengelände hinter einem Karnickel her war.
Der Schleusenlautsprecher
tönte
zum x -
ten Mal: > Luise Bornhofen dringend auslaufen<.
Vor der Schleuse
dümpelten andere
Schiffe, die in die Schleuse wollten. Wir konnten aber nicht
losschmeißen, weil die halbe Besatzung hinter Bernhard her
war.
Schließlich Kommando
> Leinen
Los
< und ohne Bernhard ging es Richtung Rauma in Finnland.
Abendessen schmeckte der
ganzen
Besatzung
nicht und ich war ganz krank.
Der Funker hatte die rettende
Idee, Fax
oder
Telex hieß es damals wohl, an den Schleusenwärter.
Und als wir nach etwa 10 Tagen
wieder
an der
Pier in der Schleuse lagen, stand Bernhard mit dem Schleuser
da und wartete schon auf uns. Er erkannte wohl nicht den Klang unserer
Diesel aber als wir uns akustisch bemerkbar machten, wedelte sein
Schwanz wie verrückt.
Ich hab nie nen
glücklicheren Hund
erlebt. Abends lag er wieder in meiner Kammer auf seinem Stammplatz.
...... un nu hör ick all
op !
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