Moin moin,
vor langer, langer Zeit, als ich noch Jungrentner war ( vor fast 20 Jahren ), habe ich hier schon mal eine Story gebracht, zu der ich jetzt zufällig  in etwa ein passendes Bild gefunden habe. So in etwa muss die Situation damals gewesen sein, die ich  - Januar 1955 erlebt habe :
 
Hier nochmal in Stichworten :
Mit einem uralten, ehemals englischem Tramp - Dampfer pflügten wir durch die eiskalte Nordsee, Ärmelkanal in Richtung Levante. 
Mein Schiff, hier im Vordergrund des Bildes wurde von einem riesigen, norwegischem Öltanker bei Nacht und Nebel ohne Radar – damals nur Typhon bzw. Nebelhorn und Ankerglocke – im kalten Winterwetter gerammt. Sein Bug bzw. Vorschiff ragte förmlich über unser Vorschiff hinaus. Viele Nebelhörner und Ankerglocken von anderen Schiffen brüllten durch die eiskalte Winternacht über den Kanal. Damals hab ich die Nautiker auf der Brücke noch bewundert - hat sich später etwas gelegt.

Man beachte die Seeleute  oben auf dem Vorschiff des großen Schiffes ! Sie wollen helfen und wissen nicht wie ?

havarie

 

  D
as Bild scheint so, als wenn unser Vorschiff unter Wasser gedrückt wird und so im etwa war es damals auch
bei uns -
Schwimmwesten ? " Dann man Gut Nacht Marie ! "

Ich hatte die Hundewache von 24.00 Uhr bis 04.00 Uhr. Kurz vor Wachbeginn sah ich noch mal über unsere hell erleuchtete Bordwand und sah wie dicke Eisschollen durch die Strömung des Kanals sich scheuernd und quitschend oder besser kreischend / schreiend  an unserer Bordwand längsquälten. Seewassertemperatur um die  0  ° C.
Dabei röhrte unser Nebelhorn ständig und zwischendurch meldete sich immer unsere Ankerglocke vom Vorschiff. Mir wurde ganz unbehaglich. Angst vielleicht noch nicht, aber gleich was dann kommt. Mannomann, ich war doch jüst zwanzig. Der Seemann an der Ankerglocke ging mir nicht aus dem Sinn. Aber wie ich inzwischen die Seeleute kennen gelernt hatte, war seine Thermoskanne mit heißem Tee mit Bommerlunder als Zusatz in Form gebracht.
Der Mann musste ja wirklich nicht nur gegen die Kälte sondern auch gegen die Angst ankämpfen.


Ich stieg also in den herrlich warmen Maschinenraum. Der Maschinentelegraf bimmelte dauernd zwischen " Stopp " und " Ganz langsam voraus "   hin und her. Konnte ich nicht nachvollziehen, wenn ich daran dachte, als ich vor wenigen Minuten über die Bordwand gesehen hatte, mit welcher Geschwindigkeit die Eisschollen unterwegs waren. Wenn das so weiter geht, sind wir bald wieder bei " Elbe 1 "  so meine Gedanken. Damals gab es " Elbe 1 " noch.
Und ....... plötzlich ein Krachen, ein nie gehörtes Kreischen und Krachen von Stahl auf Stahl in nicht zu beschreibender Lautstärke, alles was nicht festgezurrt war, flog in die nächste Ecke - wir auch.  Ich wie ein Fuchs die Treppen hoch - " Kolb, bleib hier " schrie mein Wachingenieur. Hier unten sauf ich nicht ab und spurtete weiter nach oben.
Oben angekommen sah ich den Weltuntergang in etwa so wie im Bild. Schwimmweste ? Die war so alt, sie konnte sich höchstens  selber retten.
Als es hell wurde, hatte sich alles etwas beruhigt. Wir wurden von mehreren belgischen und holländischen  Hochseeschleppern und Schiffen der Seenotretter begleitet.
Die Männer streckten uns laufend ihre großen Hände mit dem Daumen nach oben entgegen - ob der Leser es nun glaubt oder nicht, das tat gut !!.

Später hab ich noch häufiger Gelegenheit gehabt, mit diesen Männern in Kontakt zu treten - es war mir immer ein Vergnügen.

In vielen Hafenkneipen der Welt hab ich  ein Lobgesang auf die Männer dieser Schiffe angestimmt. Es hat wohl auch dazu beigetragen, dass ich jetzt etwa 50 Jahre Mitglied der DGzRS bin. DGzRS , das ist die deutsche Ausgabe der Seenotretter !!! Unseren Jahresurlaub verbrachten wir meist am Jahresende in Norderney. Dazu gehörte natürlich am Silvester immer ein Besuch auf dem Norderneyer Rettungsschiff der DGzRS. Wir sprachen die gleiche Sprache, soll heißen, wir wussten  bei den interessanten Unterhaltungen  immer alle, wo vörn un achtern war  bzw. was man auf See bei hohen
Windstärken erleben kann. 


Das Ende vom Lied : vierzehn Tage Werftliegezeit in Antwerpen. Dat war doch was. Antwerpen, da wackelt die Wand - mannomann.

Mein Kumpel - auch ein Anfänger  wie ich -  sagte : Schluss mit lustig, ich fahr nach Haus. Seefahrt is nix für mich und weg war er. Naja, der Junge kam aus Bayern. Aber, das soll nicht heißen, dass die bayrischen Seeleute Weicheier waren. Da waren stramme Jungs dabei. 

Nur noch 'ne kleine Schlussanmerkung : wenn ich diese Seite auf meinen großen Bildschirm hole und die Zimmerbeleuchtung ausschalte, überfällt mich ein großes Kribbeln im Rücken. Solch ähnliche Situationen hab ich vielleicht noch 2 - 3 x überstanden und nu sitz ich hier und denke - mannomann : Hans Kolb du bist ein Glückskind und der Liebe Gott hat mir dabei geholfen.


Kleiner Nachtrag : unser Schiff war besser gebaut als die Titanik . Unsere Schotten / Querwände waren bis zum nächsten Deck durchgezogen und dort verschweißt. Das Wasser konnte also nicht weiter in das Innere des Schiffes gelangen. D.h. die englischen Schiffbauer hatten der ganzen Besatzung das Leben gerettet. Wir wären in den eisigen Fluten verschwunden bevor die Seenotretter längsseits gewesen wären.

Munter halten !!!!!!!!!!

Hans Kolb

 

                                                                                                                                                                                                                                                          

 inhalt

 

00000000000000000000000000000000000000000000