Moin moin,
ich sagte schon, dass es deutlich bessere Handwerker gibt als mich. Aber zwei Begebenheiten in meinem Leben zeichneten mich doch aus :
1.) Ich fühlte mich im zarten 19. Lebensjahr schon zu den besten Werftschlossern der Howaldtwerke HH zugehörig. Das hat mir zwar keiner gesagt aber nach 6 Wochen Tätigkeit im Schiffsmaschinen - Reparaturbetrieb durfte ich schon mit auf ( manchmal mehrtägigen ) Probefahrten der großen Cunard - Liner oder der Italia, QE, Hanseatik oder sonstigen Riesenpötten. Und dies war ein begehrter Job. Wir bekamen zwar " nur " eine Mannschaftskabine ohne Fenster, die lag direkt über der Antriebswelle des Schiffes und die machte dort einen Heidenlärm. Aber für mich war das damals schon die Kapitänsloge.
       2.) Schwer zu beschreiben - aber ich will versuchen es mit möglichst wenigen Worten zu erzählen :
Ich lag etliche Jahre später mit meinem Schiff im Dock der gleichen Howaldtwerft. Hier hat man die Chance alles reparieren zu lassen was eben auch nur ein büschen quietscht.
Dazu gehört natürlich auch das Auffüllen der Reserveteillager damit später im Notfall auf See alles greifbar ist.
Das Malheur begann damit, dass meine damalige Freundin und heutige Kommandantin auf hochhackigen Schühchen durch das Schiff trippelte - manchmal sogar durch den Maschinenraum. Sowas lenkt einen Seemann ja nun mal ab.
Die Freundin wieder in ihrer Schule beim Unterricht und wir auf hoher See : mein
" Zweiter " meldete Lagerschaden an einem der Luft - Kompressoren und ich hatte vergessen neue Lager zu bestellen. Zur Aufklärung für Landratten : Luft in den großen Flaschen mit 80 atü ist fast wichtiger als Treibstoff. Ohne diese Luft bekommt man weder die Diesel der Lichtmaschinen und auch nicht die Hauptmaschine zum Laufen.
Ein Kompressor war noch betriebsbereit aber das war die eiserne Reserve, wenn der ausfällt ist alles zappenduster. " Tot Schiff " heißt es dann, wenn die nächste Pier noch nicht in Sicht ist.

Watt nu ??

Über Norddeich - Radio neue Lager nach New York ordern ? Da lacht sich die ganze Reederei kaputt. Der kommt jüst von Howaldt und hat keine Lager mehr - nein, das geht nicht.
Also, Erich mein Storekeeper ( war schon 6 Jahre von Indienststellung des Schiffes an Bord ) - Erich wusste alles. Erich, du suchst das ganze Schiff durch, ob wir Weißmetall haben.
OK, sagte Erich nach einer Weile, wir haben. Ich wartete einigermaßen Wetter ab und
Erich machte die Feldschmiede auf dem Achterdeck klar. Sowas gab es im Leben dieses Schiffes oder überhaupt eines Schiffes der neueren Handelsflotte wohl noch nie. Hab ich auch später nie wieder erlebt. " Heute werden Kompressorlager gegossen " , die halbe Besatzung, einschließlich Koch,


köche


versammelte sich auf dem Achterdeck und 'ne Kiste Bier stand natürlich auch griffbereit.

Hier kann ich solch ein Bauteil zeigen. Die senkrechten Striche sollen Schraubverbindungen zeigen und das rote Feld sollte mit flüssigem Weißmetall ausgegossen, anschließend aufgebohrt und auf der Drehbank auf Maß gebracht werden.
Das Bild zeigt das hochbelastete Bauteil, ich glaube 1.400 Umdrehungen / Minute machte die Maschine.



kolben




Nach sehr sorgfältiger Vorbereitung ( mit Lötkolben verzinnte Lagerschalen ) klappte alles vorzüglich, nur wenn ich am nächsten Tag das Lager auf Maß gebracht hatte, sah man große Löcher in den Lauf - Tragflächen.
Nach dem 3. Versuch musste ich dem Koch erklären, warum es nicht klappte. Der Junge hatte dann einen heißen Tipp: Sie müssen gleich nach dem Gießen umrühren, dann entweicht die Luft. Ich war sprachlos - meinen Sie wie bei der Hühnersuppe ? Er nickte mit dem Kopf.
Der nächste Versuch klappte und ich musste natürlich für die Küche 'ne Kiste Flens ordern.

Zwei Jahre später, ich war längst Öltanker - Fahrer bei der Deutschen Shell - traf ich
" mein Schiff " in einem Karibikhafen per Zufall wieder. Ich natürlich als Besucher an Bord - Erich war immer noch dabei. Meine erste Frage : Erich, was macht mein Lager ?
Herr Kolb, das Lager läuft immer noch wie Schmidts Katze - und wieder war 'ne Kiste Flens fällig.


falkenstein


PS. Nach zwei Jahren das eigene Schiff wieder zu entern, ist ein merkwürdiges Gefühl.
Klar, es war für lange Zeit mein Zuhause ( ich kannte jede Schraube ) und ich hab damit mehrfach in beiden Richtungen die Welt umrundet. Heute steht das Schiff bei uns als Modell im Schrank - nur der Erich fehlt hier noch. Ich hab ihn nie wieder gesehen.


Erich :

erich

Tscha, dann man weiterhin einen frohen 2. Pfingsttag - heute mach ich hier den Koch !

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