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Habt ihr schon mal 'ne
Fliege auf dem
Bildschirm
gehabt ?
Ich ja, eben, nein , den ganzen Tag schon. Ich schreib gerade an meine
Jugendfreundin Lilly in Archangelsk. Ich hab sie 1955 am Jennessei
hinter dem Ural kennen gelernt und von Zeit zu Zeit schreib ich nochmal
an sie. |
Und jetzt kommt sie -
diese Fliege. Ich kann es kaum noch ertragen. Sie
sitzt ständig auf dem Bildschirm und fast nur da.
Ich schreibe - kannst du dich
erinnern ? zwei Meter Schnee, zig Grad
Celsius unter Null und will ein bisschen melancholisch werden. Da kommt
sie - diese Fliege. Es ist ein ganz vollgefressenes Biest. Bestimmt ne
männliche Fliege, weibliche Fliegen werden bestimmt nicht so dick.
Ich hab versucht sie zu
fangen. Kaffeebecher ist schon umgekippt ( zum
Glück stand er etwas abseits - hab ich von Oswald gelernt ) und
mein Telefon liegt auch schon im Papierkorb. Marmeladenglas habe ich
geholt, klappt auch nicht und mit der Fliegenpatsche mag ich nicht
zuschlagen weil ich einen Plastikbildschirm habe.
Experten wissen, wat das
heißt. Nicht der ganze Bildschirm ist
aus Plastik sondern nur die Leseoberfläche. Man kann mit dem
Daumen Dellen reindrücken.
Ich habe versucht die Fliege
mit dem Cursor nervös zu machen. Wenn
ich mit dem Pfeil unter ihre Nase gehe, hebt sie die Vorderbeine ( oder
sind das ihre Stoßzähne ? ) aber sie bewegt sich nicht von
der Stelle. Auf dem weißen Hintergrund sieht die Fliege fast
furchterregend und riesengroß aus. Manchmal auch so, als ob sie
mich auslacht. Manchmal sitzt sie genau vor einem O und sieht in den
Kreis, wie ein verdurstender Wüstenwanderer in den trockenen
Brunnen.
Ich habe meinen Brief an
Lilly zu den Akten gelegt, solch eine Nerverei
kann ich nicht mehr ab.
Aber diesen kleinen Schrieb
kann ich auch mit Fliege erledigen, ich
brauch mich ja nicht so zu konzentrieren, als wenn ich an Zeiten denken
muss, die etwa ein halbes Jahrhundert zurückliegen.
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