wenn ich mich jetzt wiederhole, dürft
ihr mich auspfeifen. Mir fallen jüst einige Geldscheine aus
Shanghai in die Finger und immer dann kommen mir auch noch gleich
einige Geschichten hoch.
Als junger Mann bin ich da während der Mao -
Zeit gelegentlich rumgedüst. Unser Schiff ( Sackladung aus
Havanna ) wurde Sack für Sack mit gebücktem
Rücken durch die Chinamänner im Laufschritt unter großem
Sing - Sang der gewaltigen Lautsprecher ( die jaulten Tag und
Nacht ) entladen. Ich hab selten Männer so schwer arbeiten
sehen - etwa 2 Zentner Säcke und ziemlich dünne Männer.
In ganz Shanghai gab es nur eine einzige
sogenannte Nacht-Bar mit nur einer einzigen und auch schon
hochbetagten Bardame für alle Gäste.
Sie hatte " den " Lippenstift.
Wahrscheinlich den einzigen dieser Art in ganz China in der Tasche
und malte sich jeden Abend alle Augenblicke verschämt ihre schon
ziemlich eingetrockneten Lippen wieder neu an. Der Lippenstift war mit
Sicherheit verboten und eine Hinterlassenschaft von einem
Seemann.
Wat Seeleute nicht so alles hinterlassen - mannoman.
Probleme gab es wegen fehlender, für uns
lesbare Zahlen beim Begleichen der Zeche.
" Gib ihr man noch einen Schein mit dem
Flugzeug oder der Lokomotive ! " Das machten wir so lange,
bis sie fröhlich grinste. Dann wussten wir, jetzt haben
wir genug gelöhnt.
Die roten Zahlen auf dem Schein ? Money
only for Sailor ?
Aber nicht nur die Bar sondern auch die
Shanghai - Oper durften wir hier besuchen und das sehr gute
Seemannsheim direkt am Bund. Das ist bzw. war auch früher schon die
Hauptflaniermeile in Shanghai. Tausende von kleinen Bötchen lagen
hier vertäut, auf denen Familien lebten. Heute ist hier kein
Schiffchen mehr zu sehen. Das Seemansheim wurde von einem
ausgezeichneten Seemannspastor geleitet. Der Junge wurde immer ganz
unruhig, wenn er merkte, die ersten unserer Männer zog es in die
Nacht - Bar.
Gleich beim Einlaufen in Shanghai wurden
unser Moses ( Moses ist der jüngste Leichtmatrose ) und
ich ins Krankenhaus gebracht, der Moses wegen Darmprobleme.
Große Aufregung, wir hatten vorher einen Kurzaufenthalt in
Hongkong und dort war gleich nach unserem Auslaufen die
Cholera ausgebrochen. Ich nur wegen Ohrenschmerzen, die von einer
wunderschönen Chinesin aber bald behoben wurden.
Als ich zurück an Bord war und von dieser
schönen Frau erzählte, stellten mehrere Seeleute fest, dass
sie auch kranke Ohren hätten.
Die Behandlung im Krankenhauses Nr. 1 war
sehr fürsorglich. Das recht merkwürdig anmutende Behandlungszimmer
bestand aus Wänden, die aus weißen Bettlaken zusammen gehängt
waren. Links von mir wurden Zähne gezogen und rechts von mir kam ein
Baby auf die Welt. So war die Lage jedenfalls nach den Geräuschen
einzuschätzen.
Meiner damaligen Herzdame aus Oldenburg
hatte ich chinesische Seide versprochen und auch wie versprochen
gekauft.
Sowas Ähnliches sollte davon
geschneidert werden. Gekauft ja, aber in irgendeiner Kneipe hängen
lassen. Wat nu ?
In der Lüneburger Heide in Soltau gab es ein
Spezialgeschäft. Da hab ich für Ersatz gesorgt.
Etwa 30 Jahre später nach einer kleinen
Kappelei sagte die immer noch " Herz - Dame ", deine
chinesische Seide mochte ich sowieso nicht leiden ".
Ich konterte : " macht nix,
sie war ja auch nicht aus China sondern aus Soltau "
.
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