Erlebnis am Hafen
 
Einige Stunden mußte ich auf meine Frau warten, sie war schon wieder bei John Neumeier in der Staatsoper zum Ballett. Was tun mit dieser Zeit ?
 
Ich runter zum Hafen, bei dieser Gelegenheit könnte ich unseren Oldtimer Heinrich Gottschalt mal einen Kurzbesuch abstatten. Ich kenne ihn schon lange - er war schon zur Gartenbesichtigung bei uns im Rosengarten. Leider war Heinrich nicht anzutreffen, er war wohl auf den Zwutsch.
Heinrich wohnt im Augustinum, direkt an der Elbe im 11 Stockwerk mit herrlichem Blick auf den Burghardkai.

burgh


                                   ( einige Tage zuvor aufgenommen )                             

                               
Schönstes Wetter, leichte Briese, die Sonne wollte untergehen. Ein riesiger  P & O Nedlloyd - Container schlich die Elbe hoch. Er schlich wirklich ! Warum ? Zwei große Evergreen - Containerschiffe kamen aus dem Köhlbrand. Damit die Begegnung der Schiffe gefahrlos ablaufen konnte, fuhr der einkommende Dampfer so langsam. Owohl die Schiffe nicht mehr schön sind, bieten sie aber wegen ihrer überwältigenden Größe einen beeindruckenden Anblick.
 
Genau querab vom Augustinum kämpfte sich bei dieser lauen Briese ein wohl völlig untermotorisiertes Schiffchen auf meinen Standort zu.  Kämpfte, kann man trotz der wirklich nur lauen Briese sagen.
Wegen des auflaufenden Wassers mußte er immer wieder 90 Grad Kurswechsel  in Richtung Cuxhaven vornehmen um nicht mit der auflaufenden Flut unter die Elbbrücken durch nach Lauenburg gespült zu werden.


schiff

 

Wo will das Schiffchen hin ?? Als er in Rufweite war, krabbelte ein junger Mann auf recht wackeligen Beinen - einen Shell - Straßenatlas in der Hand - an Deck und rief in schwäbisch - bayrischem Mischdialekt :
" Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir sagen, wo es hier nach Brunsbüttel geht ?? "  Erläuternd fügte er hinzu : " das ist die Stadt wo man mit dem Schiff in den Holtenau - Kanal und dann in die Ostsee fahren
kann ".   Wem erzählt er das ?

 
Ich war baff, mir verschlug es zunächst die Sprache. Dann aber zeigte ich mit der Hand  elbabwärts und bemerkte, daß er wohl ne gute Woche Zeit benötigen würde. " Macht nix ", sagte er,  - " wir haben ja Zeit ." 
Meinen Rat den Tidenwechsel abzuwarten und dann mit der Strömung locker durchzurauschen, schlug er in den Wind.
Ich konnte mir nicht verkneifen zu rufen, dass, wenn er in 14 Tagen Sand unterm Kiel bemerkt, er in England gestrandet sei.

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