Moin moin,
einen Eindruck zu
vermitteln, wie Weihnachten auf See gefeiert wurde, ist nicht so
einfach.
Wenn der Heilige
Abend in einem der Häfen verbracht werden musste, endete der Abend
meist in einer der verlotterten Hafenkneipen. Ich mag gar nicht an
Buenos Aires 1954 denken, damals marschierten unsere Heizer schon
nachmittags mit unserem Tannenbaum unter Absingen von Nazi - Liedern
durch die Hafengegend.
In der Karibik
hörten wir uns zuvor schon mal in der Kirche
die wunderbaren Gospelsänger an. Einfach schön zu
hören.
Auf See aber konnte
der Heilige Abend manchmal recht stimmungsvoll sein. Den
Tannenbaum hatten
wir oft schon
monatelang im Proviantraum durch die Gegend geschippert. Beim
Schmücken des Baumes
( Arbeit vom Salon - Steward ) durfte man nicht soviel
rütteln, sonst hatte er zum Schluss keine Nadeln
mehr. Geschenke lagen aber nicht unter dem Baum. Vielleicht vom
Koch einige meist schon vertrocknete Kekse oder wenn ein
großzügiger Schiffsagent auch für die Nichtraucher
'ne Runde Feuerzeuge spendiert hatte, glitzerten sie
unter dem Baum.
Weihnachtspost aus
dem letzten Hafen von zu Haus, konnte natürlich nicht
ungeöffnet im Schrank bleiben, das war also schon Schnee
von gestern. Wenn ich Glück hatte und wir nicht gerade in einem
Funkloch saßen, konnte ich mit meiner Philletta auf
Mittelwelle die Sendung Gruß an Bord mit Hermann Rockmann
hören. Dann versammelte sich in meiner Kammer die halbe Besatzung.
Ich erinnere mich heute noch an die Glocken vom Hamburger Michel oder
von der Oldenburger Lamberti - Kirche ( da war meine Auserwählte
Weihnachten immer zum Gottesdienst ).
Es begann meist mit
furchtbar süßem Punsch. Manche Boys konnten den nicht
vertragen und hatten an der Seite jümmers die geöffnete
Flasche Becks - Bier griffbereit. Der Koch raffte all seine
Künste zusammen und hat uns das Beste aufgetischt, was
er seinen Provianträumen entlocken konnte ( 5 Deutsche Mark
wurden 1954 pro Mann / Tag einkalkuliert ). Wenn der Koch ein
Könner war, genügten diese 5 DM.
Stellt euch vor,
40 rauhbeinige deutsche Seeleute ( damals hatten noch alle einen
deutschen Pass ), schnike angezogen und die meisten noch
nüchtern sangen inbrünstig den vom Funker
vorher mit Schreibmaschine getippten Text von " Stille Nacht -
Heilige Nacht " oder " Am Weihnachtsbaume die Lichter
brennen ". Es war schon eine recht eigenartig zusammen
gewürfelte Männerwelt - - Arbeitskollegen, aber
doch irgendwie auch eine verschworene Gemeinschaft.
Frauen zählten damals noch nicht zur Besatzung.
Gefeiert
wurde fast immer in der Offiziersmesse, im Salon mangelte es
für die ganze Crew an Platz.
Aber das alles ist
schon Geschichte, ich weiß nicht so recht, ob ich sagen soll : "
schade " oder " ein Glück "
Den Gesang von
Mahalia Jackson sollte man sich bis zum Ende anhören, er
stammt hier aus meinem PC - Freundeskreis. Ich find ihn sehr schön (wird
hier leider nicht zu hören sein).
Nicht von See aber
aus Rosengarten allen ein frohes Weihnachtsfest und gute Leberwerte
für's nächste Jahr.
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Weihnachten <<
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